30 Tage Zentralasien. Fast.

vom 5. Juli 2009

27. Tag: До свидания (Do swidanja)

Geschrieben von Sascha in Russland, Deutschland

So, Zeit zum Aufbruch, es geht zurück nach Deutschland. In einem typischen Reisebericht würde man jetzt wahrscheinlich versuchen, dem Leser eine Träne ins Knopfloch zu jagen, nochmal alle wichtigen Momente der großartigen Reise zu rekapitulieren und einen mehr oder weniger guten Abschluss hinzuzaubern. Dabei soll man doch aufhören, wenn’s am schönsten ist. Das gilt nicht nur fürs Reisen.

Zur Beruhigung: Der Wodka passt komplett in den Rucksack, wir können nüchtern auf die Heimreise gehen. Zumindest nehmen wir’s an. Man weiß natürlich nicht so genau, was der Herr Professor uns ins Frühstück gemischt hat. Wir haben noch etwas Zeit und suchen uns in der Nähe der Unterkunft ein kleines Restaurant, um zum Mittag zu essen. Wir sind die einzigen Gäste, hmm, prima. Ein Qualitätssiegel ist das sicher nicht. Das wider Erwarten gute Mahl kommt reichlich spät, zudem gibt es bei zwei bestellten Getränken eins Bonus. Na hübsch, was sollen wir um die Mittagszeit mit derart viel Bier? Soviel übrigens zum Thema nüchterne Heimreise. Fluchtartig verlassen wir nach beglichener Rechnung das Lokal und eilen zur Wohnung des Professors, denn unsere Sachen waren noch dort. Der alte Herr war schon reichlich nervös beim Blick auf unsere Abreisezeit. Aber alles im grünen Bereich, wir haben schon ganz andere Dinger versaut. Im Sturmschritt geht es ein letztes Mal vorbei an der alten Büchse Trinkfix und der Wächtersfrau im Erdgeschoss, geschwind den nicht gerade kurzen Fußweg zur U-Bahn entlang und rein ins Shuttle bis zum Bahnhof. Komfortable 90 Sekunden vor Abfahrt erreichen wir unseren Zug zum Flughafen, perfektes Timing.

Im Zug erzählt man uns, dass die gestern gelösten Tickets ein Problem darstellen, wir würden dann wohl nicht durch die Drehkreuze kommen. Merkwürdigerweise kommt nicht eine Sekunde lang Nervosität auf. Diese Reise, die wohl als ein in sich geschlossener Akt der Improvisation gelten darf, hat uns mit einem gewissen Selbstverständnis für auftretende Schwierigkeiten ausgestattet. Und mit der Gewissheit, dass die Lösung oftmals gleich neben dem Problem zu suchen ist. Am Drehkreuz angekommen haben wir den Salat: nichts geht! Drei Meter daneben stehen Wachbeamte. Kurz und wenig schüchtern geben wir zu verstehen, dass die Tickets nicht funktionieren. Und schwupps… geht ohne jede Diskussion ein Tor auf, was uns den Checkout schneller passieren lässt als 90% der Passagiere. Also merke: immer ungültige Tickets dabei haben!

Der Rest ist Business as usual: Einchecken bei Air Brandenburg, emporschwingen in windige Höhen und einschweben in die Heimat. Wäre zumindest schön gewesen. Scheinbar hat aber der russische Zoll gemerkt, dass unsere Handgranaten an Bord doch echt waren und das gesamte Gepäck im Flugzeug zu einer weiteren Sicherheitskontrolle ausladen lassen. Geschlagene 45 Minuten später geht es dann los. Do swidanja, Russland! Rund zwei Stunden dauert der Flug in vertrauter Atmosphäre, dann landen wir auf deutschem Boden. Fühlt sich gut an, wirklich!

Das war es also mit dem Abenteuer Zentralasien. An Tag 27 ist Schicht im Schacht, Ende Gelände, aus, vorbei. Die angekündigten 30 Tage werden’s leider nicht mehr, wobei weitere 72 Stunden am Erlebten sicher auch nur schwer rütteln könnten. Ich hoffe inständig, dass dieser kleine, heitere, teils wirre, an Fakten arme und Impressionen reiche Reisebericht Fernweh geweckt hat. Es spielt keine Rolle, wohin es Dich zieht, denn zu entdecken gibt es überall mehr als genug. Geh‘ raus, schau über den Tellerrand! Erfahre, was es neben dem Reihenhaus und dem 9-to-5-Job noch gibt. Der Weg ist das Ziel. Die Welt gehört Dir.

Herzlichst,
Dein Sascha

vom 9. Juni 2009

1. Tag: Go East!

Geschrieben von Sascha in Kasachstan, Deutschland

Leicht nervös erwachen wir in der Nähe von Berlin. OWs Verwandte haben sich – übrigens nicht zum 1. Mal – freundlicherweise angeboten, uns die Nacht vor dem Abflug unterzubringen. Ganz in der Nähe von Potsdam ist es so idyllisch, dass wir am Vortag spontan beschlossen haben, die Reise abzublasen und die 4 Wochen hier zu verbringen. Mist, geht leider nicht. Die Mutter von Thomas hat uns Nutella für ihren Sohn mitgegeben, und das Glas muss unbedingt und schnell nach Kasachstan transportiert werden. Na gut, dann geht’s jetzt los!

Denise, OWs LebensAbschnittsGefährtin *g*, fährt uns zum Flughafen Berlin Tegel, scheiß Stau, das wird knapp. OK, geschafft. Fix eingecheckt und wiedermal festgestellt: saugut gepackt! Die Freigepäckgrenze von 20 Kilo haben wir nicht erreicht. Da bleibt also Luft, um rückzu allerhand Plunder mitzubringen.

Unser Plan, von Berlin über Moskau nach Almaty zu fliegen, ging aufgrund eines Fehlers des Reisebüros leider nicht auf. Nun sitzen wir ersatzweise in einer Lufthansa-Maschine, die uns erst einmal nach Frankfurt bringt. In der LH-Lounge und bei McDonald’s versackt kommen wir mal wieder zu spät und bereits mehrfach ausgerufen zum Gate, wo uns der Mitarbeiter bereits mit höhnischen Kommentaren erwartet – es geht nonstop weiter nach Astana, der Hauptstadt Kasachstans. Die blöden Deutschen fallen an Bord selbstverständlich durch ungezügelten Bierkonsum auf, aber irgendwas muss man ja gegen die Flugangst tun (Ok, der Grund war jetzt vorgeschoben. Ich verspüre in dieser Sache argumentative Defizite.).

Zwischenstopp in Astana, auftanken, ein paar Mitreisende aussteigen lassen. Ein Bär von Mann informiert die Flugbegleiterin: „Isch flieg weidor nach Alma Adda“. Aha, Freude! Landsleute aus dem Freistaat Sachsen sind auch dabei! Nach späteren Gesprächen stellt sich der Verdacht ein, dass es der Kasachstan-Chef von Thyssen-Krupp gewesen sein könnte. Wir werden es nicht mehr erfahren. Take-off, Wir heben wieder ab, noch wenige Stunden, dann sind wir da.