30 Tage Zentralasien. Fast.

vom 11. Juni 2009

3. Tag: Soll das Urlaub sein?

Geschrieben von Sascha in Kasachstan

Es ist nicht so einfach, ein Visum für Kasachstan zu bekommen. Jedenfalls dann nicht, wenn man mehr als 1x einreisen möchte. In dem Fall wird eine förmliche Einladung von irgendeiner Organisation benötigt. Die hatten wir uns im Vorfeld von der Alma Travel Agency ausstellen lassen, einem Reisebüro in Almaty. Und genau diesen Schuppen nehmen wir uns heute vor, da man sich 5 Tage nach der Einreise registrieren lassen muss. (Wie sich später herausstellen sollte, war das ein Trugschluss.) Von den anwesenden Angestellten spricht zum Glück die optisch angenehmste Vertreterin Englisch. Gebrochen und holprig, aber ausreichend, um die niedersten Kommunikationsbedürfnisse zu befriedigen. Nachdem wir pro Nase um 4.500 kasachische Tenge erleichtert wurden und noch ein paar Infos zu möglichen Tagestrips und Flügen erhascht haben, geht es zur usbekischen Botschaft: Visum beantragen! Die ganze Aktion sollte sich noch als schwierig herausstellen, denn die Bearbeitungsgeschwindigkeit eines solchen Antrages ist häufig direkt proportional zur finanziellen Kooperationsbereitschaft des Antragstellers.

Der ganze Behördenkram ist recht nervig, zumal wir uns immer noch nicht vollständig akklimatisiert haben. Dazu kommt der Umstand, sich in Almaty zu befinden. In Almaty, einer pulsierenden Metropole, die den Reisenden mit dem üblichen Kulturschock im Nacken schnell überfordert. Umso angenehmer ist es dann, nach Erledigung der wichtigsten Dinge zu unserem 2. Thomas vor Ort zu gehen und erst einmal lecker Pelmeni zu mampfen. Runterkommen. Bierchen!

Am Abend steht eine Fahrt zu Köktöbe an. Gemeint ist ein Hügel am Rande der Stadt, der auch von Einheimischen gern als Zufluchtsort genutzt wird. Köktöbe liegt einige Meter höher als die Stadt an sich und ist per Seilbahn erreichbar. Oben angekommen. Endlich bessere Luft! Almaty ist – man verzeihe mir bitte die ungehobelte Artikulation – SAUDRECKIG! Die Stadt zählt wohl nach einem kürzlich erhobenen Ranking zu den 10 schmutzigsten Städten der Welt. Dabei macht das Stadtbild an sich einen recht gepflegten Eindruck, man gibt sich schon Mühe. Das Problem sind die enormen Abgase. Die dringend benötigte und bereits in mehreren Anläufen zu errichten versuchte U-Bahn fehlt, also läuft der ganze Verkehr herkömmlich über die Straße. Abgasnormen? Danke, ich hab dich auch lieb. Man diskutiert wohl die Einführung der Euro 2 für 2010, was aber noch auf heftigen Widerstand stößt. Zwei Stunden durch die City laufen und hinterher Gesicht waschen führt zu verblüffend trüben Ergebnissen. Auf Köktöbe kann man dem Treiben kurz entfliehen. Leider ist das Areal zum kommerziellen Stützpunkt ausgebaut worden. Sehr gepflegt, aber auch sehr künstlich. Nunja, wenigstens Glühwein gibt es dort, kein Scherz. Und wer für den Viertelliter 4,50 Euro lockermachen kann und will, wird spätestens nach der Ausnüchterung feststellen, dass irgendwie der Schnee gefehlt hat.

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