30 Tage Zentralasien. Fast.

vom 17. Juni 2009

9. Tag: Samarkand

Geschrieben von Sascha in Usbekistan

Heute schauen wir uns Samarkand an. Mir ist die Stadt noch bekannt aus dem uralten Computerspiel „Civilization“ von Sid Meier. Und endlich ist es mal soweit, diese Perle der Seidenstraße live zu erleben.

Tatsächlich, diese Stadt ist schön! Einheimische mögen die aktuellen Veränderungen zwar mit Argwohn betrachten, aber das Stadtbild wirkt stilvoll und angenehm. Derzeit scheint eine Menge Geld von wo auch immer (EU?) in die Sanierung zu fließen. Letztere geht leider zum Teil etwas an der traditionellen Ausprägung der Stadt vorbei. Aber Samarkand ist grün! Eine Oase inmitten von Staub, Trockenheit und Hitze. Dazu Moscheen, wie sie gern auf Postkarten abgebildet werden, Basare mit herrlichen Gewürzen, Obst, Gemüse und natürlich orientalischen Süßigkeiten.

Das Klima in Samarkand ist freundlich. Klar, vor allem gegenüber Touristen, denn die lassen sich gut ausnehmen. Auch hier ist man wieder Hauptattraktion. Solange sich das auf Grüße und Smalltalk beschränkt, ist das durchaus angenehm. Das Gezerre der bettelnden Frauen mit Kind auf dem Arm nervt aber ebenso wie die Abzocke, die mit dem gemeinen Fernreisenden betrieben wird. Da wurde einiges versaut, und das dürfte wohl auf die Kappe von Ausländern gehen, denen das Geld hier ein wenig zu locker saß.

Die nächste Station soll Bukhara sein. Um von dort nicht nach Tashkent umständlich zurückfahren zu müssen, wollen wir einen Flug buchen. Also ab zum Airport! Was uns dort erwartet, ist Postkommunismus in Perfektion. Die Information gibt keine nennenswerten Informationen, schon gar nicht in Nichtrussisch. Die Schalterbeamtin ist zur Arbeit beim besten Willen nicht zu motivieren, ja, sie kennt nicht einmal die Zahlungsmöglichkeiten ihres Büros. Visa? Keine Ahnung! Eine Toilette gibt es. Dummerweise ist die geschlossen. OW hat da mit seinem Durchfall durchaus ein Problem und sucht sich in Windeseile ein Hotel in Flughafennähe. Glück im Unglück: mitten auf dem stillen Örtchen hat er den einzigen WLAN-Hotspot, den wir in Usbekistan überhaupt finden sollten.

Durchfall ist ein allgemeines Problem. Wir hatten uns in Shimkent am Abend den Magen verdorben – lauwarmes Laghman. Und während OW und Thomas mit den üblichen Mitteln am Kämpfen sind, kippt unsereins kalten Apfelsaft, um die Verstopfung loszuwerden. Da prallen Welten aufeinander.

Der Zeitplan ist straff – am selben Tag noch geht es mit dem Bus nach Bukhara. Es ist lustig, sich aus dieser Perspektive mal das Treiben auf den Straßen anzuschauen: Einen Führerschein haben wahrscheinlich die wenigsten, Verkehrsregeln sind Auslegungssache und mit den deutschen eher weniger vergleichbar. Straßen sind grundsätzlich schlecht, heftige Schlaglöcher können (und werden!) spontan auftauchen. Auf der Schnellstraße liegen hier und da mal Kinder, Esel oder anderes Ungeziefer quer in der Gegend herum und gehen auch nur widerwillig zur Seite. Abfahrten gibt es oft nur einseitig. Das ist ein Problem. Um diese von der Gegenseite zu erreichen, biegt man einfach durch die Mitte ab, was eigentlich unvorstellbar gefährlich ist, besonders bei hoher Verkehrsdichte. Auch die vorgegebene Fahrtrichtung ist Nebensache, denn selbst bei Tempo 100 kommen einem Autos, Eselgespanne oder Fahrräder entgegen.

Der zwischenzeitlich kaputte Bus schmeißt uns nach etwa 3h Fahrt plötzlich raus, wir müssen umsteigen. Am Ende kommen wir aber doch nach anschließender Taxifahrt heil an und finden am Abend noch ein wunderhübsches und günstiges Hotel in Bukhara.

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